
Endlich ging es mal wieder in mein Lieblingstheater. Das alt-ehrwürdige Alte Schauspielhaus.
Aufgeführt wurde "Gaslicht" von Patrick Hamilton. Bekannt war mir bisher nur der Film mit Ingrid Bergman in der Hauptrolle mit dem Titel "Das Haus der Lady Alquist" von 1944. Diesen Film habe ich bis heute im Gedächtnis, denn er hat mich damals, als ich ihn als Kind zum ersten Mal sah, sehr beeindruckt.
Deshalb freute ich mich auf dieses Theaterstück sehr. Ich finde es immer wieder fantastisch, wie solche Stücke auf der Bühne in Szene gesetzt werden.
Es war wieder ein gelungener, perfekter Theaterabend, der mich noch lange positiv beschäftigt hat.
Diesmal waren leider meine Lieblingsplätze nicht mehr frei. Aus diesem Grund saß ich nun zum ersten Mal in einer Loge. Recht klein und kuschelig mit einem perfekten Blick auf die komplette Bühne. Es hatte wirklich Stil.
Aber nun zum Stück:
Der Psychokrimi „Gaslicht“ von Patrick Hamilton, der in der Inszenierung von Intendant Axel Preuß am Alten Schauspielhaus in Stuttgart zu sehen ist, entfaltet ein Kammerspiel über psychologische Manipulation und systematischen Missbrauch, das dem modernen Begriff des „Gaslightings“ seinen Namen gab.
Die Geschichte spielt im nebligen London des späten 19. Jahrhunderts und konzentriert sich auf das Ehepaar Bella und Jack Manningham, dargestellt von Lisa Wildmann und Felician Hohnloser. Das Paar ist frisch in ein düsteres Londoner Stadthaus eingezogen, doch die vermeintliche Idylle trügt von Beginn an. Bella leidet unter einer tiefen, lähmenden Verunsicherung. Immer wieder verschwinden im Haus Gegenstände wie Bilder oder Ringe spurlos, und jeden Abend beginnt das Licht der Gaslampen unheimlich zu flackern, während im verschlossenen oberen Stockwerk mysteriöse Schritte zu hören sind. Jack nutzt diese Vorfälle geschickt aus, um Bella systematisch einzureden, sie verliere den Verstand und leide unter Wahnvorstellungen – eine Urangst für Bella, da bereits ihre eigene Mutter in einer Nervenheilanstalt endete. Anstatt seiner Frau beizustehen, isoliert er sie von der Außenwelt, straft sie mit Kälte und treibt sie durch gezielte Falschaussagen und emotionale Grausamkeit immer tiefer in die Verzweiflung, bis sie ihren eigenen Sinnen nicht mehr traut.
Die dramatische Wendung tritt ein, als Jack das Haus für einen seiner abendlichen Ausgänge verlässt und unerwartet der pensionierte Scotland-Yard-Detektiv William Rough, gespielt von Andreas Klaue, bei Bella auftaucht. Rough hat das Haus seit Längerem im Blick und bringt Licht ins Dunkel des Psychoterrors: Er offenbart Bella, dass ihr Ehemann in Wahrheit ein gesuchter Mörder ist. Jack hat vor vielen Jahren die wohlhabende Vorbesitzerin des Hauses erwürgt, um an ihre wertvollen Juwelen zu gelangen, die er jedoch nie finden konnte. Nun ist er unter falschem Namen zurückgekehrt. Die Schritte im Obergeschoss und das Flackern des Gaslichts sind keine Einbildung, sondern real: Jack schleicht sich jeden Abend heimlich über das Dach in die verlassenen Räume, um nach dem Schatz zu suchen. Sobald er dort oben das Licht entzündet, sinkt im restlichen Haus der Gasdruck, was das Flackern verursacht.
Mit dieser Erkenntnis gelingt es Bella, die lähmende Angst abzustreifen und ihren Verstand zu rehabilitieren. Als Jack schließlich von der Polizei in die Enge getrieben und gefesselt wird, gelingt Bella die endgültige Befreiung: In einer kraftvollen Schlussszene spielt sie die vermeintlich Wahnsinnige, verweigert dem flehenden Jack die Hilfe und liefert ihn endgültig seiner gerechten Strafe aus.
Besetzung der Stuttgarter Inszenierung:
- Bella Manningham: Lisa Wildmann
- Jack Manningham: Felician Hohnloser
- William Rough: Andreas Klaue
- Elisabeth: Annette Mayer
- Nancy: Hannah Sophie Schad
- Regie: Axel Preuß
- Bühne und Kostüme: Vesna Hiltmann
- Bühnenkampf: Stefan Müller-Doriat
- Dramaturgie: Susanne Schmitt
Hier sind die zentralen Kernpunkte der Pressestimmen:
- Atmosphärische Dichte und starke visuelle Symbolik: Gelobt wird die Regiearbeit von Intendant Axel Preuß, der das Stück im späten 19. Jahrhundert belässt und das viktorianische Flair nutzt. Die Ludwigsburger Kreiszeitung betont die visuelle Umsetzung (Bühne: Vesna Hiltmann): Ein schwärzlicher Wohnraum mit floralen, fast skelettartigen Ornamenten an der Wand spiegelt Bellas wachsende Angst vor dem Wahnsinn subtil wider. Lichteffekte und Videoprojektionen machen das beklemmende Gefühl des Gaslightings spürbar.
- Fokus auf weibliche Solidarität und Stärke: Kritiker heben positiv hervor, dass Bella in dieser Inszenierung nicht in der reinen Opferrolle verharrt. Lisa Wildmann zeigt laut Presse eine gelungene und glaubhafte Wandlung von der zarten, verunsicherten Frau hin zu einer kämpferischen Stärke am Ende. Unterstützt wird dieser Befreiungsschlag durch die beiden anderen Frauenfiguren im Haus: die resolute Haushälterin Elisabeth (Annette Mayer), die mit Klugheit gegen das Verwirrspiel agiert, und das aufmüpfig-verführerische Dienstmädchen Nancy (Hannah Sophie Schad).
- Einblicke in die Darstellerleistungen: Während Felician Hohnloser als strenger, grausamer Patriarch überzeugt, erntet Andreas Klaue als pensionierter Detektiv William Rough viel Lob für seine Darstellung – er verkörpert ihn laut Kritikern auf herrlich zwielichtige Weise, ausgestattet mit Flachmann, rauer Stimme und einer Prise unheimlicher Komik.
- Herausforderung des Mediums Theater: Das Portal Kultura-Extra merkt an, dass der langsame, psychologische Verfall im Theater naturgemäß plötzlicher als im berühmten Filmklassiker mit Ingrid Bergman erzählt werden muss, da auf der Bühne keine klassischen Filmschnitte oder Überblendungen möglich sind. Dennoch wird die Inszenierung als ein psychologisch vielschichtiger und absolut gelungener Saisonstart bewertet.
Ich habe mich sehr gefreut Hannah Sophie Schad als Nancy wieder einmal auf der Bühne zu sehen.
Bereits in "Der Hexer" und "Barfuss im Park" konnte ich sie bewundern. Diese junge Schauspielerin schafft es, mich jedesmal wieder zu begeistern. Ihre Art des Ausdrucks und ihre Sprache faszinieren mich. Sie ist in meinen Augen für die Bühne gemacht und wird sicher noch viel erreichen.
Hannah Sophie Schad ist eine talentierte deutsche Nachwuchsschauspielerin, die sich in Rekordzeit zu einem Publikumsliebling im süddeutschen Raum entwickelt hat.
Hintergrund & Ausbildung
- Herkunft: Geboren wurde sie am 3. Mai 2001 in Oranienburg bei Berlin und wuchs im ländlichen Brandenburg sowie im Harz auf.
- Frühe Weichenstellung: Schon in der Grundschule sammelte sie erste Erfahrungen mit Tanz und Theater. Von 2017 bis 2020 besuchte sie die renommierte Staatliche Ballettschule Berlin, wo sie ihr Abitur mit dem Schwerpunkt Darstellende Kunst absolvierte.
- Schauspielstudium: Ihr Handwerk professionalisierte sie von 2021 bis 2025 mit einem Schauspielstudium an der Akademie für Darstellende Kunst Bayern.
Karriere & Auszeichnungen
Bereits während ihres Studiums stand sie am Theater Regensburg auf der Bühne. Nach ihrem Abschluss startete sie direkt voll durch:
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- Der Durchbruch in Jagsthausen: Im Sommer 2026 feierte sie einen riesigen Erfolg bei den Burgfestspielen Jagsthausen. Dort spielte sie unter anderem die Hauptrolle der Pippi Langstrumpf. Für ihre herausragenden Leistungen wurde sie im selben Jahr mit dem begehrten „Preis der Freunde 2026“ ausgezeichnet.
- Erste Schritte in Stuttgart: An den Schauspielbühnen in Stuttgart hinterließ sie bereits in der Spielzeit 2025/2026 Eindruck, als sie in der Komödie „Barfuß im Park“ (als Corie Bratter) und im Krimi „Der Hexer“ (als Lizzy Lenley) zu sehen war.
Neben ihrer aktuellen Rolle als die aufmüpfige Nancy in „Gaslicht“ steht sie in dieser Spielzeit am Alten Schauspielhaus übrigens noch in einem weiteren Klassiker auf der Bühne: Sie übernimmt die Rolle der Recha in Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“.





