Selbst als großer Pink Floyd Fan wie ich, kauft nicht einfach nur so jedes „neue“ best-of-Album, da sie meist eh nicht an die Originalalben herankommen. Best-of ist mehr etwas für Neueinsteiger.

Aber nun kam im Juni 2026 das Album 8-Tracks heraus. Und ich war sofort begeistert.
Deshalb möchte ich hier versuchen zu erklären, warum dieses Album auch in die Sammlung alter Pink Floyd Fans gehören sollte. Und wenn ihr alles gelesen habt, versteht ihr mit Sicherheit meine Begeisterung für dieses Kunstwerk!

Das Konzept und die Besonderheiten

Die Veröffentlichung dient als perfekter Einstieg für neue Hörer und bietet Sammlern gleichzeitig ein echtes Novum.

  • Die Rarität: Das absolute Highlight ist die erstmalige offizielle Veröffentlichung der vollständigen Version von »Pigs on the Wing (Part 1+2)« auf CD und Vinyl. Diese Version enthält das seltene Gitarrensolo von Snowy White und war zuvor ausschließlich auf der originalen 8-Track-Kassette des Albums Animals von 1977 zu hören.
  • Der nahtlose Musikfluss: Der renommierte Progressive-Rock-Musiker und Toningenieur Steven Wilson hat die Songreihenfolge neu arrangiert. Er verbindet die einzelnen Titel mithilfe von originalen Soundeffekten der Band zu einem durchgehenden, fließenden Hörerlebnis. So geht beispielsweise das Ausfaden von Wot's... Uh The Deal direkt in die Registrierkassen-Sounds von Money über.

Die enthaltenen Titel (Tracklist)

Die Auswahl umfasst Songs aus den wegweisenden Alben Meddle, Obscured by Clouds, The Dark Side of the Moon, Wish You Were Here, Animals und The Wall: [1]

  1. One Of These Days
  2. Wot's... Uh The Deal
  3. Money
  4. Another Brick In The Wall, Pt. 2
  5. Wish You Were Here
  6. Time
  7. Comfortably Numb
  8. Pigs On The Wing (8-Track Version)

Das Album »8-Tracks« lohnt sich aus drei Hauptgründen, da es weit mehr als eine gewöhnliche Best-of-Sammlung ist.

1. Das "heilige" Gitarrensolo (Exklusiver Inhalt)

Für Fans und Sammler ist das Album wegen eines ganz bestimmten Titels ein Pflichtkauf: »Pigs on the Wing«.

  • Die Historie: Auf dem originalen Animals-Vinyl von 1977 war der Song in zwei Hälften (Teil 1 und Teil 2) getrennt. Nur auf der damaligen Magnatband-Kassette (der namensgebenden "8-Track-Cartridge") waren beide Teile durch ein Gitarrensolo von Snowy White zu einem einzigen Song verbunden.
  • Der Kaufgrund: Dieses legendäre Solo war jahrzehntelang offiziell nie auf CD oder modernem Vinyl erhältlich. Erst mit dieser Veröffentlichung ist die zusammengesetzte Version weltweit digital und physisch in glasklarer Qualität zugänglich.

2. Der "Steven-Wilson-Effekt" (Neues Hörerlebnis)

Wer Pink Floyd kennt, weiß, dass ihre Alben Gesamtkunstwerke sind.

  • Der Kaufgrund: Der Progressive-Rock-Spezialist Steven Wilson hat die bekannten Klassiker nicht einfach nur aneinandergereiht. Er hat sie mithilfe originaler Soundeffekte (wie Windgeräusche, Herzschläge und Uhren) nahtlos ineinander übergehen lassen. Es entsteht ein völlig neuer, 50-minütiger Musikfluss, den man so von den Originalalben nicht kennt.

3. Hochwertiges Sammlerstück (Physischer Wert)

Die Veröffentlichung richtet sich bewusst an Liebhaber von physischen Tonträgern.

  • Der Kaufgrund: Das Album glänzt durch seine hochwertige Ausstattung. Die Vinyl-Version kommt im schweren 180g-Format (unter anderem als Sammler-Edition in pinkem Vinyl) im edlen Klappcover (Gatefold). Dazu gibt es ein exklusives Poster mit Songtexten und seltenen Studioaufnahmen aus den 1970er-Jahren.

Wer jetzt immer noch nicht von diesem Werk überzeugt ist, sollte unbedingt weiterlesen. Denn der Mythos der Geschichte macht erst das Besondere.

Die Geschichte hinter dem Gitarrensolo von Snowy White ist eine Verkettung aus technischer Notwendigkeit, einem Studiomissgeschick und purem Zufall. Sie machte eine spontane Aufnahme zu einem der am seltensten gehörten Fragmente der Pink-Floyd-Historie.

Die technische Herausforderung der 8-Track-Kassette

Als Pink Floyd 1977 ihr Album Animals veröffentlichten, war die sogenannte 8-Track-Kassette (Stereo 8) ein extrem populäres Musikformat für Autoradios.
Das Format basierte auf einer Endlosschleife mit vier parallel verlaufenden Tonspuren von exakt gleicher Länge. Weil die Spurlängen starr vorgegeben waren, passte die normale Songstruktur von Animals nicht auf die Kassette. Um zu verhindern, dass ein Song mitten im Track brutal abbricht, entschied sich die Band, die akustischen Stücke »Pigs on the Wing (Part 1)« und »Part 2« zu einem einzigen, langen Song zusammenzufügen.

Das Missgeschick im Studio

Für den Übergang (die "Brücke") zwischen den beiden Songteilen wurde ein elektrisches Gitarrensolo benötigt. David Gilmour spielte dafür ursprünglich selbst eine Passage ein. Durch ein folgenschweres Versehen eines Tontechnikers im Studio wurde Gilmours Aufnahme jedoch versehentlich wieder gelöscht.

Der Zufall und das "One-Take"-Wunder

Kurz nach diesem Missgeschick war der britische Blues-Gitarrist Snowy White in den Brittania Row Studios der Band zu Gast. Pink Floyd suchte einen zusätzlichen Live-Gitarristen für die anstehende In The Flesh-Tour und stellte White ein, ohne ihn überhaupt vorspielen zu lassen.

Nachdem der Vertrag unterschrieben war, wollte Roger Waters die Fähigkeiten des Neuzugangs spontan auf die Probe stellen. White erinnerte sich später in Interviews:

Als ich an Roger vorbeiging, sagte er: ‚Hey, wo du gerade hier bist, kannst du eigentlich direkt was einspielen. Warum spielst du nicht ein Solo in der Mitte dieses Tracks?‘ Ich sagte: ‚Klar, kein Problem‘, und griff mir wahllos eine Gitarre, die im Studio herumstand.“

White spielte eine kurze, leise Aufwärmrunde. Danach drückte Waters direkt den Aufnahme-Knopf. Die allererste Improvisation (der erste Take) saß perfekt und wurde ohne jede weitere Bearbeitung für die 8-Track-Version des Albums übernommen.

Warum es ein Mythos wurde

Als die 8-Track-Kassette Anfang der 1980er-Jahre komplett vom Markt verschwand, verschwand auch das Solo. Auf allen späteren CDs, Schallplatten und MP3-Releases wurde wieder die normale Album-Version verwendet, bei der Pigs on the Wing in zwei separate Akustik-Tracks getrennt ist. Über fast 50 Jahre existierte das Solo für die meisten Fans nur als verrauschte Bootleg-Kopie im Internet – bis zur offiziellen Veröffentlichung.

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